Wie wird man eigentlich Physiotherapeut:in?
Vor rund 20 Jahren wurde die Physiotherapie-Ausbildung in der Schweiz auf Fachhochschulniveau angehoben. Voraussetzung für das Studium ist eine Matura (Gymnasial-, Fach- oder Berufsmaturität). Sofern man nicht bereits einen Beruf im gesundheitlichen oder sozialen Bereich erlernt hat, wird zusätzlich ein zweimonatiges Vorpraktikum verlangt.
Folgende öffentlichen Schulen bieten (Stand 2026) die Ausbildung in Vollzeit an:
Zudem besteht die Möglichkeit, das Studium in Voll- oder Teilzeit an der Privatschule THIM in Landquart zu absolvieren.
Der Weg zum Bachelor
Das Studium dauert sechs Semester und wird mit 180 ECTS-Punkten abgeschlossen. Während sich die Curricula der Schulen unterscheiden, ist allen der hohe Praxisbezug gemeinsam. An der ZHAW, wo ich selbst mein Studium absolvierte, verbringt man die ersten drei Semester an der Hochschule. Dabei wird viel praktisch an den Mitstudierenden geübt. Unvergessen bleibt, wie sich die Klasse zu Beginn jeweils brav in der Garderobe umzog – und nur wenige Wochen später ungeniert direkt im Klassenzimmer die Hose runterliess! 😊
Auf den intensiven Schulblock folgt ein Jahr in der Praxis: Zwei 16-wöchige Praktika sowie der Grossteil der Bachelorarbeit stehen hier an. Das sechste Semester dient nochmals dem theoretischen Input und dem Abschluss der Bachelorarbeit. Da für die Berufsausübungsbewilligung jedoch zwei Jahre Arbeit unter Aufsicht vorgeschrieben sind, sammeln die frischgebackenen «Physios» nach dem Diplom nochmals zwei Semester Erfahrung in verschiedenen Institutionen.
Zwischen Nervosität und Expertenwissen
Während der Praktika wird man eng betreut. Man arbeitet zwar grösstenteils selbständig, kann aber jederzeit Hilfe holen, Fälle besprechen und Techniken üben. Gut in Erinnerung geblieben ist mir die Nervosität vor den ersten Patientenkontakten und Supervisionen! In grösseren Institutionen sind zudem oft Peer-Learning und interne Fortbildungen fester Bestandteil des Wochenplans.
Die Einsatzgebiete während der Ausbildung sind vielfältig:

Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Der theoretische Teil umfasst Grundlagen wie Anatomie, Physiologie und Biomechanik. Fächer wie Statistik und Kommunikation werden oft in durchmischten Klassen gemeinsam mit Studierenden der Ergotherapie, Pflege oder Hebammen unterrichtet. So wird bereits im Studium die Interprofessionalität gefördert – ganz im Sinne des Gesundheitsberufegesetzes (GesBG).